Erste Eindrücke - Melbourne
- 14. Sept. 2017
- 7 Min. Lesezeit
Flug
Die gesamte Anreise hat ca. 25 Stunden gedauert und wir hatten zwei Zwischenstopps - Düsseldorf und Abu Dhabi.
Die 6,5 Stunden Flug von Düsseldorf nach Abu Dhabi vergingen sehr schnell, wahrscheinlich auch weil wir bereits unsere erste Bekanntschaft mit einer deutschen Backpackerin aus Köln gemacht haben, die lustigerweise eine sehr ähnliche Reiseroute wie wir vor sich hat und ihren Aufenthalt ebenfalls mithilfe von eines Workaway organisiert.
Der Flughafen in Abu Dhabi war auch ein eigenes Erlebnis für sich. Er ist nicht nur riesengroß, sondern auch Menschen unzähliger Kulturen treffen aufeinander.
Der letzte Flug, 13,5 Stunden, war dann schon ziemlich lange und nach einer Zeit wurde es schon etwas mühsam. Aber unsere tolle Fluglinie Etihad Airways hat es um einiges erträglicher gemacht, weil wir rund um die Uhr voll versorgt wurden. Ganze drei Menüs haben wir aufgetischt bekommen und es gab gratis Nackenkissen, Decken und Kopfhörer mit welchen man das "Entertainment System" mit Filmen, Musik, Spielen... genießen konnte.

Unser Host Barbara
In Melbourne angekommen, haben wir uns sofort zu unserem ersten Host Barbara öffentlich auf den Weg nach Brunswick gemacht, welche uns schon erwartet hat. Barbara ist eine ältere Dame, sehr gastfreundlich, schon in Pension und lebt alleine in ihrem Haus. Sie ist noch sehr fit und aktiv und reist noch immer sehr viel in der Weltgeschichte herum. Sie ist schon seit einigen Jahren geschieden und ihre Kinder samt Enkelkinder leben verteilt in Australien, was bedeutet, dass sie ganz alleine in Melbourne ist. Deshalb nimmt sie unter anderem gerne Backpacker und Couchsurfer auf, denn sie ist ein sehr geselliger Mensch, aber auch weil sie, wie schon erwähnt, selbst sehr oft reist und weiß, wie teuer Unterkünfte sein können. Ursprünglich kommt sie aus der Schweiz und vor ca 40 Jahren hat es sie nach Australien getrieben.
Sie war ihr Leben lang Lehrerin und freut sich immer unter jungen Leuten zu sein. Sie ihr sehr wissbegierig, nimmt noch immer an Weiterbildungen, Projekten und Vorlesungen teil und studiert selbst in ihrem Alter noch Nähen und Stricken an der Uni.
Sie lebt bescheiden, denn es gibt weder warmes Wasser (deswegen benutzen wir die öffentliche Dusche an der Universität in unserem Viertel) noch eine Heizung , trotzdem nimmt sie gerne Leute bei sich auf und teilt sogar ihr weniges Hab und Gut.
Von Barbara kann man wirklich sparen lernen, denn sie nimmt oft an Community Projekten teil, wo zum Beispiel Bewohner in der Umgebung ihr selbstangebautes Gemüse und Obst auszutauschen, und somit ihre Ernte mit Freunden und Bekannten teilen. Außerdem ist Barbara auch bei Kirchenflohmärkten oder diversen Fundraising Events ein engagiertes Mitglied, was bedeutet, dass sie ständig unterwegs ist. Sie ist wirklich bemüht und versorgt uns nicht nur mit Essen, sondern berichtet uns auch von tollen Sightseeing Tipps, günstigen Restaurants oder Schnäppchen, was natürlich wahnsinnig hilfreich für unser Backpacker Budget ist. Es ist nicht nur einmal vorgekommen, dass sie uns eine Liste für den Tag mit sehenswerten Orten hinterlassen hat, wenn sie einmal nicht daheim gewesen ist.

Unsere Unterkunft bei Barbara

Barbara und ich beim Barbecue im Park
Arbeit
Da unser Host oftmals selbst einiges zu erledigen hat und oft außer Haus ist, bleibt für uns sehr viel Zeit Melbourne zu erkunden. Sie ist sehr locker und flexibel was die Arbeitszeiten betrifft und wir müssen maximal zwei Stunden pro Tag arbeiten. Es sind sehr einfache Tätigkeiten, wir müssen zum Beispiel Fotos von verschiedensten Gegenstände, wie Lampen, Schuhen oder Scanner, welche Barbara verkaufen will, machen und auf eine Auktionsseite hochladen, oder Garten- und Hausarbeit erledigen.

Andi und ich beim Arbeiten - ein bisschen Spaß muss sein ;-)
Melbourne erkunden
Andi und ich haben jeden Tag ein sehr dichtes Programm, also haben wir schon sehr viel von Melbourne gesehen und kennen uns schon ziemlich gut aus. Auch wenn mein Orientierungssinn nicht der Beste ist ;-) Aber ich hab ja jetzt genug Zeit daran zu arbeiten! Um einen guten Überblick von der Stadt zu bekommen, haben wir an einer Free Walking Tour teilgenommen - Studenten führen Touristen durch die Stadt und erzählen nicht nur geschichtliches, sondern geben auch Sightseeing- oder Restauranttipps. Wie der Name schon sagt ist diese geführte Sightseeingtour gratis, und am Schluss kann man nach eigenem
Ermessen Trinkgeld hinterlassen. Die Tour war wirklich sehr informativ und wir haben nicht nur viel über Melbourne gelernt, sondern auch sehr viel Tolles gesehen!

Unser Guide Karina bei der Free Walking Tour

Andi und ich mit der Skyline von Melbourne
Melbourne ist wirklich wunderschön und vor allem der Kontrast zwischen alter und neuer Architektur ist sehr spannend. Es ist eine z-iemlich moderne Stadt, welcher es trotzdem nicht an Geschichte fehlt. Besonders gut gefällt mir, dass Melbourne direkt am Meer liegt und dass es riesige Parks und grüne Flächen gibt. Dazu zählen unter anderem die botanische Gärten, in welchen ein wichtiges Kriegsdenkmal platziert ist, das für die Verstorbenen errichtet wurde. Das Denkmal nennt sich "Shrine of Remembrance" und unterhalb dessen befindet sich ein sehr informatives Museum.

Kriegsdenkmal - Shrine of Remembrance
Außerdem gibt es viele kleine Seitengassen mit Cafés, Graffitis und kleinen Shops, was der Stadt einen urbanen und hippen Flair verleiht. Eine sehr bekannte Graffiti Gasse ist die Hosier Lane, wo man wirklich sehr kunstvolle Werke bewundern kann.
Trotz der unzähligen Skyscraper ist Melbourne wunderschön, da deren Farben unglaublich miteinander harmonieren.

Cooles Café in der Graffiti Straße
Was uns auch aufgefallen ist, dass sehr viele Studenten in Melbourne leben, daher gibt es viele Unis und unglaublich coole Bibliotheken.
Es gibt eine ausgesprochen tolle Bibliothek direkt am Hafen, von welcher man einen tollen Ausblick auf das Meer und die Skyline von Melbourne hat. Dort haben wir einige Stunden verbracht, um all die Akkus und Andis Fotoequipment aufzuladen. Wir wollten gar nicht mehr gehen und waren tatsächlich die Letzten, die das Gebäude verlassen haben.

Library at the Docks - Die Aussicht von der Bibliothek am Hafen
Die Stadtbibliothek ist auch wahnsinnig schön und dort haben wir ebenfalls einige Stunden verbracht.
Ich kann sie gar nicht genau in Worten beschreiben, deshalb werde ich einfach ein Bild einfügen und den Raum für sich selbst sprechen lassen. ;-)

State Library - Stadtbibliothek
Melbourne und das verrückte Wetter
Das Wetter ist abwechslungsreich und unberechenbar, denn es variiert sehr oft am Tag und die Australier sagen, dass es an einem Tag 4 verschiedene Jahreszeiten haben kann. Einmal sonnig, dann stürmisch, Nieselregen, starker Regen, Wind - ein ständiges Wechselspiel. Barbara hat einmal einen Witz gemacht, wo aber durchaus was dran ist. "If you don't like the weather in Melbourne, wait a minute. It will change anyways"
Man sollte immer Regenschutz dabei haben und viele verschiedene Schichten anziehen, damit man für jedes Wetter gewappnet ist.
Wir haben die Temperaturen generell ein wenig unterschätzt, denn es ist doch ziemlich frisch, vor allem in der Nacht! Deshalb schlafe ich meistens gleich mit zwei Hosen und zwei T-Shirts, einem Pulli und einer Weste, vor allem weil unser Haus nicht beheizt ist und die Kälte doch ziemlich stark durch die Wände durchdringt. ;) - in der Nacht hat es manchmal 5 Grad
Belgrave
Das Wochenende haben Andi und ich natürlich auch voll ausgenutzt um einiges zu besichtigen. Am Samstag waren wir in Belgrave, ein Ort, der etwas abgelegen von Melbourne und ein wenig ländlicher ist. Die größte Touristenattraktion ist der Puffin' Billy, eine alte Lock, die durch Belgrave fährt. Wir beide haben uns aber dafür entschieden etwas abgelegen von den Touristenmassen durch den Wald zu gehen, was auf jeden Fall die richtige Entscheidung war.
Die Natur in Australien ist ein Traum, denn die Pflanzen und auch die Tiere kann man mit Österreich einfach nicht vergleichen. In 20m hohen Eukalyptusbäumen zwitschern Wellensittiche, Kakadus und andere bunte Vögel. Wir sind staunend durch den Wald marschiert, denn man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll, ein Baum ist größer und prächtiger als der Andere.


Beim Waldspaziergang in Belgrave
Am Ende des Waldstücks sind wir auf eine Kakadu Fütterungsstelle gestoßen - Grant's Picnic Ground - wo wir unzählige Kakadus hautnah sehen konnten. Sie waren unheimlich zutraulich und haben sich sogar auf Besucher draufgesetzt, wenn diese Körner in der Hand gehalten haben. Wir haben tolle Fotos von den Vögeln gemacht und es hat fast so ausgesehen, als würden sie für die Kamera posieren. Leider waren wir schon ein bisschen spät dran, deshalb hat die Futterstelle zugemacht und wir konnten sie nicht mehr füttern, aber dafür sind sich noch einige Schnappschüsse ausgegangen.

Kakadus bei der Fütterungsstelle
St. Kilda
Am Sonntag sind wir gleich am Vormittag nach St. Kilda gefahren, um durch den Straßenmarkt zu schlendern, den uns Barbara empfohlen hat. Sehr viele Künstler haben dort ihre selbstgemachte Taschen, Schmuck, Bilder und dergleichen verkauft. Es war wirklich schön am Markt bis zum Luna Park (ein bekannter Vergnügungspark) entlang zu schlendern, vor allem weil er direkt am Meer liegt.

Straßenmarkt in St.Kilda

Luna Park - Vergnügungspark
Danach haben wir am Strand Mittag gegessen (selbstmitgebrachte Jause versteht sich, um Geld zu sparen), das Meer und die Sonnenstrahlen genossen. Viele Touristen fahren zu den Philipp Islands um Pinguine zu erspähen, aber Andi hat gemeint, dass es auch in St. Kilda einige geben sollte.
Am Abend kurz bevor die Sonne untergegangen ist, sind wir dann an einem Steg entlang gegangen in der Hoffnung Pinguine zu sehen.
Wir hatten Glück und haben doch einige Pinguine erspäht und auch ein paar tolle Fotos (natürlich ohne Blitz) geschossen! Die Pinguine sind sehr klein, sie werden maximal 33cm groß, dunkelgrau und haben einen weißen Streifen an ihrer Brust. Sie sind wirklich herzig und gar nicht so scheu, denn sie kommen wirklich nah zu den Menschen.
Nach Sonnenuntergang sind dann immer mehr Leute gekommen und sogar einige "Pinguinhüter", welche gemeint haben, dass die Pinguine kurz nach Sonnenuntergang in ihre Nester zwischen den Felsen zurückkehren um dort zu schlafen. Davor setzen sie sich gerne auf die Felsen, um ihre Federn abzutrocknen. Mit rotem Licht haben die "Hüter" dann die Pinguine angeleuchtet, da es mittlerweile schon dunkel gewesen ist, um die Pinguine sichtbar zu machen, denn das rote Licht können die Vögel nicht wahrnehmen. Es war wirklich ein tolles Erlebnis wildlebende Pinguine so nah zu beobachten!

Pinguin am Hafen in St. Kilda

Hafen in St. Kilda

Ab Donnerstag werden Andi und ich ca. ein bis zwei Stunden außerhalb von Melbourne auf einer Rinderfarm in Arrarat wohnen und arbeiten, worauf wir beide uns schon wahnsinnig freuen. Wir wollten schon lange das australische Farmleben miterleben und jetzt hat sich ziemlich spontan diese tolle Möglichkeit ergeben.
Wir freuen uns schon auf tolle neue Abenteuer auf der Farm und ich werde Euch natürlich am Laufenden halten!
Bis bald!
Eure Alice :-)




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