Vietnam - Der Beginn meiner Solo Reise
- 8. Juli 2019
- 13 Min. Lesezeit
In Ho-Chi-Minh hat mein neues Abenteuer begonnen. Mit großen Hoffnungen und positiver Einstellung bin ich in den Flieger nach Vietnam gestiegen, wo meine Solo Reise gestartet hat. Von jetzt an war ich auf mich alleine gestellt, was mir ein wenig Angst machte, aber gleichzeitig wusste ich, dass ich über meinen Schatten springen und offen für Neues sein musste. Ich hatte großen Respekt davor von nun an ganz alleine durch Asien zu reisen, war wahnsinnig aufgeregt, und wusste dass eine unvergessliche Zeit auf mich zukommen wird. Deshalb hab ich mir vorgenommen cool zu bleiben, alles auf mich zukommen zu lassen, das Beste aus jeder Situation zu machen und mich einfach in ein neues Abenteuer zu stürzen.

Außerdem war ich eigentlich nicht ganz alleine, weil ich wusste, dass ich mich mit Eleonoroa, die Cousine eines Freundes, den ich auf der Reise kennengelernt habe, treffen werde. Ich kannte sie im Grunde überhaupt nicht, wusste aber dass sie lustigerweise am selben Tag wie ich in Ho-Chi-Minh ankommt und ebenfalls vor hat Vietnam alleine zu erkunden. Deswegen habe ich einfach zu ihr Kontakt aufgenommen und sie gefragt ob wir uns treffen wollen. Obwohl ich sie nur flüchtig durch Nachrichtenaustausch kannte, hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass wir gut miteinander auskommen würden und habe deswegen insgeheim gehofft, das wir eventuell gemeinsam weiterreisen könnten, falls es zwischen uns klappt.
Als ich endlich mein Visa hatte und es geschafft habe mit einem relativ preiswerten Taxi in die Stadt zu fahren, ohne abgezockt zu werden, worauf ich ziemlich stolz war ;-), habe ich mich auf die Suche nach meinem Hostel gemacht. Als ich suchend durch die kleinen Straßen der Großstadt irrte, habe ich auf einmal Eleonora auf einem Tisch vor einem Hostel sitzen sehen, die mich sofort erkannt und mich mit einer Umarmung begrüßt hat. Ich habe mich so gefreut sie zu sehen und sie war mir sofort sympathisch. Sie hat mir geholfen mein Hostel zu suchen und anschließend haben wir uns bei einem gemeinsamen Abendessen (besser) kennengelernt.
Wir haben uns so gut verstanden, dass wir am nächsten Tag in einem Café die kommenden zwei Wochen geplant haben, in denen wir gemeinsam Vietnam erkunden wollten, also hat mich mein Gefühl nicht getäuscht. Ich bin so froh Eli getroffen zu haben und es hat sich so angefühlt, als würde ich sie schon viel länger kennen. Eleonora ist ein wenig älter als ich und lebt in der Schweiz im italienischsprachigen Kanton, spricht daher Italienisch und deshalb haben wir uns immer auf Englisch unterhalten. Sie ist so eine liebenswerte, offene Person, die genau auf meiner Wellenlänge ist. Unsere Art zu reisen war sehr ähnlich, was es sehr angenehm war und wir haben jeden Tag so viel miteinander erlebt . Es hat richtig Spaß gemacht Geschichten auszutauschen, mehr über sie zu erfahren und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Ich habe sie wirklich lieb gewonnen und sie ist mir in der kurzen Zeit so ans Herz gewachsen.

Ho-Chi-Minh
Ho-Chi-Minh ist eine sehr dynamische und turbulente Stadt. In HCMC findet man schmale Gassen, lebhafte Märkte und Streetfood Stände, wo Einheimische auf kleinen Kindersesseln ihre Speisen genießen. Aber auch moderne Wolkenkratzer und Einkaufszentren sind in der riesigen Stadt zu finden, welche damals als „Saigon“ bekannt war. - Die Stadt wurde nach dem Vietnamkrieg nach dem verstorbenen Präsidenten Ho-Chi-Minh benannt.








Außerdem bleibt mir Ho-Chi-Minh auf jeden Fall aufgrund des verrückten Verkehrs in Erinnerung. Nach 5 Monaten reisen bin ich den asiatischen Verkehr schon ziemlich gewöhnt, doch in Vietnam ist der Verkehr noch eine Stufe schlimmer. Überall zwischen Autos quetschen sich Mopeds durch und falls nicht genügend Platz auf der Straße ist, dann wird auf den Gehsteig ausgewichen. Es ist wirklich erstaunlich wie chaotisch und durcheinander der Verkehr ist und trotzdem kaum Unfälle passieren. Was ich überraschenderweise feststellen konnte, ist, dass die Scooter-Fahrer sogar Helme tragen, was in den restlichen südostasiatischen Ländern leider eine Seltenheit ist. Dicht hintereinander fahren die Zweiräder durch die stark befahrenen Straßen und schlängeln sich zwischen Autos durch. Mopeds regieren regelrecht die Straßen. Es scheint nicht so als gäbe es Verkehrsregeln, denn jeder fährt kreuz und quer, Autos als auch Mopeds, wo teilweise bis zu vier Personen oben sitzen.




Kriegsmuseum
Eleonoroa und ich sind zusammen ins War Remnants Museum gegangen, um mehr über die Geschichte Vietnams zu lernen.
Wir wussten, dass es kein leichtes Pflaster ist, aber wir wollten beide mehr über den Vietnamkrieg erfahren.
Mir persönlich ist es wichtig genauer über die tragischen Ereignisse Vietnams Bescheid zu wissen und sich mit der Geschichte des Landes zu beschäftigen, weil ich auch über die „Schattenseiten“ Vietnams und die Entstehung Bescheid wissen will, um die Kultur und die Menschen besser verstehen zu können. Außerdem möchte ich nicht nur die schönen Seiten erfahren und mit einer „rosa Brille“ die Touristenattraktionen abklappern, denn ich will Vietnam so authentisch wie möglich kennenlernen.

Das Museum ist sehr groß und in mehrere Stockwerke eingeteilt. In den einzelnen Räumen wird mithilfe von Bildergalerien und Info Tafeln über den Vietnamkrieg und seine Auswirkungen erzählt.
Eleonoroa und ich haben sich wirklich sehr ausführlich und intensiv mit den einzelnen Informationsschildern, Grafiken unf Fotos beschäftigt. Wir sind nicht nur durch das Museum gelaufen, sondern haben versucht wirklich alles aufzunehmen. Wir haben über die historischen Ereignisse diskutiert, Verständnislücken beseitigt und sind sprachlos vor Kriegsfotos gestanden, die Gänsehaut verursacht haben.
Das Museum ist weit mehr als eine Ansammlung von Kriegsgüberresten, weil es auch die grausamen Auswirkungen und Geschehnisse des Krieges bis in die heutige Zeit zeigt- es ist eine Art Aufarbeitung. Die Fotos sind so aussagekräftig, bedrückend und teils verstörend. Sie zeigen die grausamen Seiten des Krieges, welche einem richtig Nahe gehen. Immer wieder habe ich mich gefragt, warum der Fotograf nicht einfach geholfen hat anstatt ein Foto zu schießen. Doch andererseits sind diese Aufnahmen auch wichtig um der heutigen Generation den tragischen Krieg vor Augen zu führen und sie somit präventiv eines Besseren zu belehren.




Auf dem Museumsgelände sind ebenfalls alte Militär Fahrzeuge sowie Flieger ausgestellt. Außerdem bekommt man auch einen Einblick in die Foltermethoden und die Unterbringung der Gefangenen.




Ich muss zugeben, dass ich es nicht geschafft habe, jedes einzelne Zimmer des Museums zu erkunden. Nachdem ich die schrecklichen Bilder der Blue Agent Kriegsopfer (Blue Agent sind Chemikalien mit welchen die USA „nur“ den Dschungel und Ernten reinigen wollten) gesehen habe, bin ich in den „Cinema Room“ gegangen, der mich komplett überrascht hat. Ich habe eine Kriegsdokumentation erwartet, doch stattdessen habe ich einen Raum vorgefunden, wo Agent Orange Opfer mit starken Beeinträchtigungen musiziert haben und quasi wie im Zirkus eine „Showeinlage“ einstudiert haben. Ich war wirklich nicht auf sowas vorbereitet und es war heftig mitanzusehen, vor allem weil ich zuvor die tragische Geschichte und Bilder gesehen habe, welche mich schon richtig mitgenommen haben.
Danach war ich zugegebenermaßen ein wenig geschockt und ich habe es nicht mehr geschafft, das gesamte Museum zu besichtigen.
Das Kriegsmuseum ist zwar richtig bedrückend, aber ein Muss für jeden geschichtlich interessierten Menschen.
Cu Chi Tunnel
Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug zu den Cu Chi Tunnels gemacht, um noch einen besseren Eindruck vom Geschehenen zu bekommen. Dabei handelt es sich um ein 250km langes Tunnelsystem das bis nach Kambodscha reicht, in welchem sich Vietnamesen während des Vietnamkriegs versteckt hielten. Es besteht aus drei verschiedenen Ebenen, wobei in der ersten gekämpft wurde, in der zweiten haben die meisten Menschen gewohnt und in der dritten Ebene der wichtigste Kommandant beheimatet war. Die Tour hat richtig spannend begonnen, denn unser Guide hat uns im Bus interessante und erschreckende Fakten erzählt.
Während des 20 jährigen Krieges sind insgesamt 58.000 amerikanischen Soldaten und 3 Millionen Vietnamesen verstorben.
Es gibt noch immer zahlreiche Agent Orange Opfer, die keine monetären Hilfsmittel bekommen,
sondern selbst arbeiten müssen, um Geld zu verdienen, obwohl sie bereits so benachteiligt sind. Deshalb hat Vietnam die USA um Geld und Hilfe für die Opfer gebeten, doch leider vergeblich. Denn die USA ist erst dann bereit zu spenden, wenn folgende Bedingung erfüllt wird: alle toten amerikanischen Soldaten müssen gefunden und zurück in ihr Heimatland gebracht werden und erst dann sind sie bereit zu helfen. Dies ist jedoch nahezu unmöglich, denn bis heute sucht Vietnam nach den gefallenen amerikanischen Soldaten und es wurden noch lange nicht alle Leichen gefunden.
Einen kurzen Zwischenstopp haben wir in einer Kunstwerkstatt gemacht, wo die Agent Orange Opfer wirklich wunderschöne Bilder z.B. aus Eierschalen und bunten Farben erzeugen, aber auch unzählige andere Kunstwerke hergestellt werden. Es hat mich wirklich beruhigt zu sehen, dass es ihnen dort gut geht und, dass sie trotz ihren Einschränkungen mit ihrer Kreativität tolle Werke kreieren und somit Geld verdienen können.



Leider hat unsere Tour eine schlechte Wendung genommen, denn wir haben unseren zuvor netten Tourguide nicht mehr wiedererkannt. Wir waren wirklich interessiert und wollten so viel wie möglich an Wissen und Informationen mitnehmen, da es wirklich spannend ist, wie die Menschen in unterirdischen Tunneln getarnt für mehrere Jahre gelebt haben. Die Tunnel sind nur teilweise zugänglich und wir konnten zum Glück einen kleinen Abschnitt erforschen. Sie sind wirklich richtig eng und man muss in der Hocke oder krabbelnd durch das unterirdische System fortschreiten. Es ist wirklich erstaunlich wie die Leute es geschafft haben sich dort über mehrere Jahre zu verstecken. Falls jemand Klaustrophobie hat, würde ich nicht raten durch den Tunnel zu krabbeln, weil es sicherlich beängstigend sein kann, da es auch stockdunkel ist und man besser mit einer Taschenlampe den Weg ausleuchten sollte.



Wie schon vorher erwähnt ist unser Guide völlig durchgedreht, sodass wir wirklich kaum was von den Cu Chi Tunnels mitnehmen konnten.
Er hat uns fast nichts erzählt, ist mit uns durch die Anlage gerannt und hat alle angeschrien, sodass wir nichts erfahren haben. Für maximal 2 Minuten hat er angehalten, damit wir ein Foto machen konnten, aber er hat uns nichts darüber erzählt. Die Hälfte der Gruppe ist verloren gegangen, da wir kaum Zeit hatten und ständig vorangetrieben wurden.
Sobald sich jemand beschwert hat, ist er die Person richtig angefahren. Er war nicht kritikfähig und hat mit respektlosen Worten wie „Shut your fucking mouth up” oder „Fuck your mother, fuck your father” die enttäuschten Touristen angeschrien. Ich war wirklich perplex und dachte, dass das alles nicht wahr sein kann, weil mir noch selten so eine respektlose, aufbrausende, unfreundliche und kindische Person, schon gar nicht als Tourguide, begegnet ist. Wir konnten uns alle gar nicht mehr auf das Wesentliche konzertieren, falls wir einmal einen einminütigen Stopp eingelegt haben, weil wir alle echt schockiert waren. Ich hatte schon Angst, dass er komplett ausrastet und Leute schlägt, weil sie sich beschwert haben und habe deshalb immer einen großen Sicherheitsabstand gelassen.
Die Tour hat sich für uns leider wirklich nicht gelohnt, da wir länger hingefahren sind als wir schlussendlich dort gewesen sind. Allesamt waren komplett enttäuscht und ich wünsche wirklich niemanden so eine „Horror-Tour“.
Man muss trotzdem erwähnen, dass das Tunnelsystem sicherlich sehenswert ist, vor allem wenn man einen guten Guide hat und, dass man schon sehr viel Pech haben muss, wenn einem sowas passiert.
Da Lat
Da Lat ist eine kleine, früher französisch kolonialisierte Stadt im südwestlichen Hochland umgeben von wunderbarer Natur mit etlichen Wasserfällen. Grünbewachsene Hügellandschaften, Kaffeeplantagen und Blumenfelder gedeihen im relativ frischen Frühlingsklima.
Da Lat wirkt recht modern und sogar etwas wohlhabend mit seinen relativ modernen Häusern und französischen Kolonialvillen. Aber auch an dem kulinarischen Angebot in den Bäckereien kann man die französischen Spuren der Kolonialzeit erkennen, was mich besonders erfreut hat. - ein knuspriges Baguette oder ein frisches Croissant ist einfach ein Geschmackserlebnis und war bis jetzt auf meiner Südostasienreise eine Seltenheit.





Crazy House
Wie der Name schon sagt, ist das Crazy House ein wirklich verrücktes, buntes, kunstvolles Gebäude. Das Haus besteht aus Lavagestein ähnlichen Formen mit vielen kleinen Zimmern welche oft durch Brücken verbunden sind umgeben von grünen Pflanzen und bunten Blumen. Spinnennetze, Lianen aber auch Glitzer zieren die Wände des Hauses. Es wirkt mehr oder weniger wie ein für Touristen gebautes Haus, doch es ist trotzdem wirklich witzig durch das Gebäude zu spazieren und diese spezielle Architektur zu bewundern.








Village Day Tour
Um einen besseren Eindruck von Da Lat und seiner Umgebung zu bekommen, haben Eleonoroa und ich beschlossen an einer Tagestour teilzunehmen, wo so einige Stopps am Programm standen.
Gestartet hat unser Ausflug mit dem Besuch des alten Bahnhofs in Da Lat, der mittlerweile nur mehr für Tourismus genutzt wird. Von außen ist die Station mit bunten Blumen geschmückt und wenn man durch die Empfangshalle durchschreitet, sind alte Zugwagons auf Gleisen zu sehen.



Die wunderschönen Blumenfelder sind sehr bekannt für Da Lat, wo wir ebenfalls Halt gemacht haben. Es war wirklich toll durch die bunten Felder zu spazieren und bei der Farbenvielfalt bekommt man sofort gute Laune.


Was mir generell sehr gut an Vietnam gefällt, ist dass überall Blumen auch in den Städten als Dekoration verwendet werden. Gelbe und rote (Glücksfarben) Blumen in Tontöpfen, aber auch in anderen unzählige kunterbunten Farben zieren die Straßen. Da am 16. Februar das vietnamesische Mondneujahr „Tet“ gefeiert wird, welches den Frühlingsbeginn kennzeichnet und der wichtigste Feiertag des Landes darstellt, erstrahlt der Staat in noch bunteren Farben. Die Bewohner sind gut gelaunt und stecken in Neujahrsvorbereitungen, um einen unvergesslichen Start ins neue Jahr mit ihren Familien zu feiern.
Kaffeeplantage
Danach ging es zu einer Kaffeefabrik, wo wir die wunderschönen grünen Plantagen mit ihren kostbaren Früchten besucht haben und ein wenig über die Herstellung erfahren haben. Vietnam ist nach Brasilien – trotz einer vergleichsweise geringen Anbaufläche – der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt, was mich zugegebenermaßen sehr überrascht hat.
Leider wussten wir nicht, dass wir eine Fabrik besuchen würden, wo der berühmte Kaffee „Kopi Luwak“ (Katzenkaffee) erzeugt wird, was wir wirklich nicht unterstützen wollten.
Zuerst haben wir die Kaffeekirschen in den Feldern besichtigt und danach wurden uns die Bohnen in den unterschiedlichen Herstellungsstadien gezeigt. Die Kaffeefrüchten werden von dem nachtaktiven hauskatzengroßen Fleckenmusang gefressen.
Das Tier verdaut nur das Fruchtfleisch und die Bohnen werden wieder ausgeschieden. Anschließend wird das Exkret gewaschen und leicht geröstet. Durch die Enzyme im Darm der Katze ändern sich Geschmackseigenschaften und es entsteht ein dunkles und volles Aroma.




Wir konnten die armen Tiere in ihren kleinen Gitterkäfigen beobachten, die nur ein kleines Holzhäuschen als Unterschlupf haben. Sie werden nur mit Kaffeekirschen gefüttert, bekommen zusätzlich aber auch Joghurt und Bananen, was gut für Ihre Verdauung ist. Fünf Jahre sitzen die Wildtiere in den kleinen Käfigen, wobei ihr Leben nur aus Fressen und Ausscheiden von Kaffee besteht, was schrecklich ist! Denn nach fünf Jahren sind sie nicht mehr „gut genug“ und werden völlig verstört in die Wildnis freigelassen. Eli und ich konnten es wirklich nicht mit ansehen wie diese unschuldigen Tiere völlig verstört in ihren Zwingern auf und ab laufen und es hat uns wirklich das Herz gebrochen, die Lebewesen so leiden zu sehen. Wir haben uns so schuldig gefühlt, dass wir diese Tierquälerei durch unsere Tour unterstützen, doch wir wussten es im Vorhinein leider nicht. Den Kaffee haben wir natürlich nicht gekostet und haben stattdessen versucht die tolle Aussicht auf die Kaffeeplantagen zu genießen, waren aber froh wie wir wieder die Fabrik verlassen haben.




Cricket Farm
Cricket Farms, wo Grillen zum Verzehr gezüchtet werden, sind ziemlich bekannt in Vietnam. In „Betonbecken“ mit ausreichend Laub, Karton und anderen Pflanzengewächsen werden die Insekten gehalten.


Die Grillen werden in Öl knusprig gebraten und mit einer rötlichen, scharfen Sauce gegessen. Nach einem kleinen Rundgang auf der Cricket Farm wurden wir zur Verkostung eingeladen, wo wir rund um den typisch vietnamesischen Kindertischen auf Kindersesseln gesessen sind. Die Kostprobe an sich hat mich ein wenig an das Trinken von Tequila erinnert, doch wir haben anstatt Salz und Orangen Reiswein (Arak) und Grüntee bekommen.

Nachdem wir auf Vietnamesisch heruntergezählt haben, haben wir den Arak getrunken, die Grille verspeist und mit einem Gläschen Grüntee abgeschlossen. Die Grille an sich hat nicht schlecht geschmeckt und ich war recht positiv überrascht. - sie ist ein wenig ölig und salzig und hat mich an den Geschmack von Chips erinnert. Zuletzt wurde uns noch der Reiswein Herstellungsprozess erklärt.

Buddhistischer Tempel
Auch einen prunkvollen buddhistischen Tempel haben wir besucht. Mir hat er besonders gut gefallen, weil er von wunderschöner Natur umgeben war. - große und kleine Bonsaipflanzen in bunten Keramiktöpfen, violette Bougainville und viele weitere grüne Pflanzen haben die Anlage geschmückt. Der große, dicke, türkis grinsende Buddha war mein persönlicher Favorit.






Elephant Waterfall
Endlich sind wir am Highlight unserer Tour, dem Wasserfall, angekommen. Sein Name ist darauf zurückzuführen, da sich früher Elefanten darin gewaschen haben. Der Wasserfall an sich ist wirklich sehenswert und so traumhaft, weil er von grünbewachsenen Felsen, Baumstämmen und Wald umgeben ist. Die fließenden Wassermengen führen in einen kleinen Fluss, der im Wald mündet. Man kann den Wasserfall auch von hinten besichtigen, wobei man aber richtig nass wird. Eleonoroa und ich waren begeistert und ich habe mich gefreut nach langer Zeit wieder einen Wasserfall zu besichtig





Seidenfabrik
Nach einem riesigen Mittagsbuffet, ging es weiter in eine Seidenfabrik, was mich besonders interessiert hat.
Mir war zwar bewusst, wie Seide hergestellt wird, doch wie der genaue Prozess abläuft, war mir neu. Leider konnten wir nicht die gesamten Herstellungsschritte mitverfolgen, da die Fabrik aufgrund des Tet Holidays (vietnamesisches Neujahr) geschlossen war. Unser Guide hat uns darum nur recht oberflächlich davon berichten können, weshalb ich leider auch nur mein limitiertes Wissen mit euch teilen kann.
Die Seidenraupen werden von Maulbeerbäumen meist von Farmern gepflückt, die diese dann zur Fabrik bringen. Die Raupen werden in "Holzaufschichtungen" aufbewahrt, wo die Würmer mithilfe ihrer speziellen Drüsen im Mund Seide produzieren, die sich um sie selber herumwindet und einen Kokon spinnt. Bevor die Würmer aus ihrem Kokon schlüpfen werden sie mit heißem Wasser getötet, um den Kokon zu bewahren. Die Seide wird dann von den Kokons abgewickelt und mithilfe einer Maschine aufgewickelt. Nachdem die Seide dann mithilfe von Föhnanlagen getrocknet wird, wird diese dann auf Maschinen gewoben, was wir leider nicht beobachten konnten.





Zuletzt haben wir einen Halt in einem „Minority Village“ gemacht. Dabei konnten wir durch das Dorf schlendern und sehen wie die Einheimischen so leben.

Nha Trang
Um die ewig lange 16-stündige Busfahrt nach Hoi An zu verkürzen, haben Eleonoroa und ich beschlossen einen Zwischenstopp in Nha Trang zu machen. Wir waren froh, dass wir nur eine Nacht in der schnellwachsenden Resortstadt verbracht haben. Der Strand ist wirklich schön, doch der Rest wirkt wie eine russische Touristenhochburg. Riesige Wolkenkratzer schmücken die Küstenstadt und etliche weitere Hochhäuser werden gebaut. Nha Trang ist vor allem als Partystadt bekannt, wo etliche Luxushotels, Resorts und Hostels zu finden sind. Nicht nur in den Touristeninformationen, sondern auch auf den Straßen sind russische Schilder zu finden. Aber auch moderne Shoppingcenter sind zu Hauf, in Italienischen Restaurants kann man speisen und Krokodilleder gibt es zu kaufen. Vom authentischen Vietnam hat der Ort leider nicht mehr viel übrig.






Was mich ziemlich schockiert hat und mir nicht so schnell aus dem Kopf gehen wird, ist eine Konversation mit einem vietnamesischen Bewohner aus Nha Trang. Als Eli und ich auf der Straße entlang marschiert sind, hat uns ein Vietnamese angesprochen, weshalb wir stehen geblieben sind und ihm aufmerksam zugehört haben. Er war ein wenig schüchtern und hat uns recht leise und vorsichtig gefragt:“ You are not from Russia? You smile!“ Als wir dies bejaht haben, hat er gegrinst und erleichtert gemeint:“ Oh really!? Where do you come from? We hate Russians, they are so rude.“
Das hat mich wirklich traurig gemacht und zum Nachdenken angeregt. Es ist doch wirklich schrecklich, dass die Bewohner von Nha Trang die russischen Touristen nicht mögen, diese aber en masse in die Stadt kommen, um dort ihren Urlaub zu verbringen. Es scheint aber nicht als würde die einheimische Bevölkerung bzw die Regierung was dagegen tun, denn die Stadt expandiert weiterhin und lockt somit nur noch mehr ungewollte Touristen an, die Geld bringen.
Wir haben uns als Backpacker ein wenig Fehl am Platz gefühlt, aber trotzdem das Beste draus gemacht. Das warme Klima haben wir aber auf jeden Fall genossen und es war schön am Strand entlang zu spazieren.

Am nächsten Tag haben wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Hoi An gemacht, worauf wir uns schon sehr lange gefreut haben, da wir schon sehr viel Gutes über diese Stadt gehört haben. Darüber werdet ihr in meinem nächsten Blogeintrag mehr erfahren.
Eure Alice




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